Sustainability
Wenn Verpackungen für das Recycling konzipiert werden (DfR): Im Gespräch mit Montello S.p.A.
30.06.2026

Mit der Verabschiedung der neuen Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) steht die Verpackungsbranche vor einem Wandel, der Design, Materialien, Recyclingfähigkeit und Kreislaufwirtschaft betrifft. Davon sind nicht nur Lieferanten wie wir betroffen, sondern vor allem auch diejenigen, die Verpackungen nach ihrer Nutzung sammeln, sortieren und recyceln, sobald sie zu Abfall geworden sind.

Montello S.p.A. ist täglich in der Sortierung und im Recycling von Post-Consumer-Kunststoffverpackungen tätig und bietet einen praxisnahen und fundierten Einblick in die Frage, was es in der Praxis bedeutet, eine Verpackung tatsächlich recyclingfähig zu machen. Seit vielen Jahren pflegen wir einen engen Austausch und eine enge Zusammenarbeit mit Montello S.p.A., einem der größten und fortschrittlichsten Kunststoffrecyclingunternehmen Italiens. Dieser kontinuierliche Dialog liefert uns wertvolle Einblicke in die realen Abläufe der Sortierung, des Recyclings und zeigt, wie aus gebrauchten Verpackungen neue Rohstoffe entstehen. Er hilft uns, besser zu verstehen, welche Verpackungsstrukturen effiziente Recyclingprozesse unterstützen und wo weiterhin Herausforderungen bestehen.

Diese wertvollen Erkenntnisse möchten wir nicht nur für uns behalten. Indem wir die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Recyclern und Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette weitergeben, möchten wir unsere Kunden dabei unterstützen, fundierte Entscheidungen im Bereich Packaging zu treffen. Durch Beratung und technische Unterstützung begleiten wir sie bei der Auswahl von Materialien und Strukturen, die nicht nur die Leistungsanforderungen erfüllen, sondern auch die Recyclingfähigkeit verbessern und eine stärker kreislauforientierte Verpackungswirtschaft fördern.

Ökodesign und Recyclingfähigkeit: Verpackung als Ressource

Die tatsächliche Nachhaltigkeit einer Verpackung zeigt sich am Ende ihres Lebenszyklus. Wie Francesca Sancinelli, Vizepräsidentin von Montello S.p.A., betont: „Eine gut gestaltete Verpackung ist eine Verpackung, die nicht im Abfall endet, sondern als Sekundärrohstoff im Wertstoffkreislauf erhalten bleibt.“

Eine korrekt konzipierte Verpackung wird somit zu einer Ressource, die wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden kann und neuen Wert schafft. Aus diesem Grund haben Designentscheidungen direkten Einfluss auf die tatsächliche Recyclingfähigkeit einer Verpackung sowie auf die Qualität des zurückgewonnenen Materials.

Recyclinggerechtes Verpackungsdesign ist heute ein wesentlicher Faktor zur Verbesserung der Kreislauffähigkeit von Verpackungen. Zu den wichtigsten Grundsätzen gehört die Bevorzugung von Monomaterialstrukturen, die im Allgemeinen besser mit mechanischen Recyclingprozessen kompatibel sind als Verbundverpackungen aus mehreren miteinander verbundenen Kunststoffschichten. Neben der Materialzusammensetzung ist es entscheidend, dass die Verpackung innerhalb der bestehenden Sammel-, Sortier- und Recyclinginfrastrukturen effizient verarbeitet werden kann. Bestimmte Designentscheidungen können die Fähigkeit einer Verpackung, am Ende ihres Lebenszyklus zurückgewonnen und verwertet zu werden, erheblich beeinflussen. Besondere Aufmerksamkeit sollte zudem Etiketten, Klebstoffen, Druckfarben und weiteren Komponenten gewidmet werden, die sich während der Aufbereitungs- und Waschprozesse möglichst leicht entfernen lassen sollten.

Die Qualität des Rezyklats beginnt beim Verpackungsdesign

Ökodesign beeinflusst nicht nur, ob eine Verpackung recycelt werden kann, sondern auch die Qualität des Materials, das aus dem Recyclingprozess gewonnen wird.

In der Recyclingbranche gilt ein einfaches, aber entscheidendes Prinzip, das Francesca Sancinelli treffend zusammenfasst: „Wert hinein, Wert heraus.“ Die Qualität des aufbereiteten Materials hängt unmittelbar von der Qualität des Materials ab, das dem Recyclingprozess zugeführt wird.

Verpackungen, die nach Kriterien der Recyclingfähigkeit entwickelt wurden, ermöglichen die Gewinnung von saubereren und leistungsfähigeren Rezyklaten, die für neue industrielle Anwendungen geeignet sind. Komplexe oder schwer trennbare Strukturen hingegen führen zu Verunreinigungen, die den Wert des zurückgewonnenen Materials mindern und dessen Einsatzmöglichkeiten einschränken.

Das Verpackungsdesign ist somit das erste Glied einer Wertschöpfungskette, die die Wettbewerbsfähigkeit und zukünftige Verfügbarkeit recycelter Rohstoffe maßgeblich bestimmt.

Die PPWR bringt neue wirtschaftliche und regulatorische Verantwortung mit sich

Das Inkrafttreten der PPWR markiert einen tiefgreifenden Wandel, den Sancinelli als eine echte „kopernikanische Revolution“ für die Verpackungsindustrie bezeichnet.

Die Verordnung führt zunehmend strengere Anforderungen hinsichtlich der Recyclingfähigkeit und des Mindestanteils an Post-Consumer-Rezyklat (PCR) ein und macht Ökodesign von einer freiwilligen Entscheidung zu einer strategischen Voraussetzung für die Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

Der neue Rechtsrahmen wirkt auf zwei Ebenen. Einerseits führt er die Ökomodulation von Umweltbeiträgen innerhalb der Systeme der Erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility – EPR) ein. Verpackungen, die nach Kriterien der Kreislaufwirtschaft entwickelt wurden, werden begünstigt, während schwer recycelbare Lösungen benachteiligt werden.

Andererseits sieht die Verordnung immer strengere Einschränkungen vor, die im Extremfall bis zum Ausschluss bestimmter Verpackungstypen vom europäischen Markt reichen können, wenn diese die Recyclinganforderungen nicht erfüllen.

Vor diesem Hintergrund wird nachhaltiges Verpackungsdesign nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch aus wirtschaftlicher und wettbewerblicher Perspektive zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor.

Von der Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette zum neuen Wert von Recyclingkunststoffen

Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft erfordert einen grundlegenden Wandel innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette.

Verpackungsdesign kann heute nicht mehr isoliert betrachtet werden. Hersteller, Verarbeiter, Anwender und Recycler müssen bereits in den frühen Entwicklungsphasen einer Verpackung zusammenarbeiten.

Die Einbindung von Recyclern bereits während der Designphase wird zunehmend strategisch. Wie Sancinelli hervorhebt: „Der Recycler muss mit am Entwicklungstisch sitzen, bevor die Verpackung industrialisiert wird.“ Dadurch kann die Kompatibilität mit bestehenden Recyclingprozessen frühzeitig geprüft, scheinbar nachhaltige Lösungen vermieden und der Aufwand für Forschung und Entwicklung reduziert werden.

Gleichzeitig gilt es, ein noch immer weit verbreitetes Paradigma zu überwinden: die Annahme, dass recycelter Kunststoff zwangsläufig günstiger sein müsse als Neuware.

Die Herstellung hochwertiger Sekundärrohstoffe erfordert erhebliche Investitionen in Technologie, Energie, Logistik und moderne Aufbereitungsverfahren.

Für viele Unternehmen wird der Einsatz von Rezyklaten daher weniger eine Maßnahme zur Kostensenkung sein als vielmehr eine notwendige Voraussetzung, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen, den Zugang zum Markt zu sichern und die wirtschaftlichen Auswirkungen von EPR-Mechanismen zu begrenzen.

Der strategische Wert von Rezyklaten wird künftig immer weniger im Materialpreis liegen, sondern zunehmend in ihrer Bedeutung für die Sicherung der Geschäftskontinuität und die Einhaltung der Anforderungen einer zirkulären Wirtschaft.

Entdecke unsere PPWR-Themenseiteund informiere dich umfassend über die Verordnung und ihre Auswirkungen auf die Verpackungsindustrie.

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